VerpackDG und PPWR: Was Unternehmen jetzt konkret vorbereiten müssen

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20 Jahre RIGK in EPRO

Mike Jefferson über die Umsetzung der PPWR, Datenherausforderungen und warum Zusammenarbeit wichtiger ist denn je

Erfahrungsaustausch, Best Practices und grenzüberschreitende Zusammenarbeit: Was vor zwei Jahrzehnten noch eher „nice to have“ war, ist heute eine zentrale Voraussetzung für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft – insbesondere angesichts zunehmender regulatorischer Komplexität. Mit dem Eintritt der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) in die Umsetzungsphase stehen Organisationen der erweiterten Herstellerverantwortung, sogenannte Producer Responsibility Organisations (PROs), und ihre Netzwerke vor neuen Erwartungen: Neben der Erfüllung von Recyclingzielen wird von ihnen zunehmend erwartet, den Wandel entlang der gesamten Wertschöpfungskette mitzugestalten und zu koordinieren.

20 Jahre RIGK in EPRO – Interview mit Mike Jefferson, Managing Director von EPRO

Anlässlich des 20-jährigen Engagements von RIGK in EPRO sowie der langjährigen Führungsrolle von RIGK in der Agricultural Working Group haben wir mit Mike Jefferson, Managing Director von EPRO, darüber gesprochen, wie sich das Netzwerk entwickelt hat, woran die Mitglieder derzeit arbeiten – und warum verlässliche Daten und praxisnahe Umsetzungshilfen heute wichtiger sind denn je.

EPRO ist ein Netzwerk von Organisationen, die in der Sammlung, Rücknahme und dem Recycling von Kunststoffen tätig sind – mit einem besonderen Fokus auf die erweiterte Herstellerverantwortung, international bekannt als Extended Producer Responsibility (EPR).

Ziel von EPRO ist es, Wissensaustausch, Datentransparenz und Best Practices zu fördern und damit eine funktionierende Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe zu unterstützen. Gegründet als paneuropäisches Netzwerk mit acht Mitgliedern, vereint EPRO heute eine breite Allianz spezialisierter Organisationen aus Europa und darüber hinaus.

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Mike Jefferson verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung im europäischen Abfall- und Recyclingsektor. Als Managing Director von EPRO koordiniert er die Zusammenarbeit der Mitglieder, moderiert den fachlichen Austausch und bringt Branchenexpertise in europäische politische Diskussionen ein.

Bevor er vor 13 Jahren nach Brüssel wechselte, um sich auf Beratungs- und Verbandsarbeit sowie den Wissenstransfer und die Vernetzung europäischer Recyclingorganisationen zu konzentrieren, war er 17 Jahre in operativen und kaufmännischen Funktionen tätig – unter anderem im Bereich der Herstellerverantwortung in Großbritannien.

„Der Bedarf an Austausch ist nicht geringer geworden – er ist nur komplexer.“

Herr Jefferson, wir haben Sie vor einigen Jahren bereits zu EPRO interviewt. Wenn Sie zurückblicken: Was hat sich seither am meisten verändert – und was steht heute im Zentrum Ihrer Arbeit?

  • Mike Jefferson: „EPRO ist als Organisation gewachsen. Wir haben neue Mitglieder gewonnen – zum Beispiel im Bereich der erweiterten Herstellerverantwortung für gewerbliche und industrielle Verpackungen in Frankreich und Spanien, nachdem dort neue gesetzliche Regelungen für gewerbliche und industrielle Verpackungen eingeführt wurden. Gleichzeitig wachsen wir auch international weiter, mit Mitgliedern außerhalb Europas, etwa in Chile, und mit zunehmender Aktivität in Südafrika.
    Zudem sind wir heute stärker in dem aktiv, was ich als technische Interessenvertretung bezeichnen würde. Das bedeutet: Wir bündeln die technische und operative Expertise unserer Mitglieder und kommunizieren diese an die Europäische Kommission, während neue Gesetzgebung entwickelt wird – damit aus praktischer Sicht möglichst viele bewährte Ansätze berücksichtigt werden.
    Eine wesentliche Veränderung gegenüber vor einigen Jahren ist, dass wir die Phase der Diskussion darüber, wie die PPWR aussehen könnte, inzwischen hinter uns gelassen haben. Die Verordnung ist in Kraft, und große Teile davon gelten ab August dieses Jahres. Daher dreht sich ein Großteil unserer Arbeit nun um die Umsetzung: Was bedeutet die PPWR in der Praxis für PROs? Wie sollte sie ausgelegt und umgesetzt werden? Und wie können wir dazu beitragen, die sekundäre Gesetzgebung so mitzugestalten, dass sie in der Praxis umsetzbar bleibt?“

Und im Vergleich zu vor einigen Jahren: Welche Themen stehen heute deutlich stärker im Fokus?

  • Mike Jefferson: „Eine große Veränderung ist die zunehmend strategische Rolle von PROs. Historisch lag der Fokus von PROs vor allem darauf, Recyclingquoten zu erfüllen. Heute ist das politische Umfeld deutlich komplexer: Recyclingziele bleiben wichtig, hinzu kommen aber Ziele für Rezyklateinsatz, Design for Recycling, Ökomodulation, Verpackungsvermeidung und Wiederverwendung.
    Nicht alle diese Aspekte gehören heute unmittelbar zu den Aufgaben von PRO-Systemen. Aber es wird immer deutlicher, dass die Industrie PROs als wichtige Unterstützer betrachtet, wenn es darum geht, diese weiter gefassten politischen Ziele zu erreichen. Dadurch wird die langfristige strategische Planung zu einem immer wichtigeren Bestandteil der Diskussionen innerhalb von EPRO.“

  • Die Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) ist ein zentraler EU-Rechtsrahmen, der 2025 eingeführt wurde und darauf abzielt, Recycling, Wiederverwendung und Kreislaufführung von Verpackungen in den Mitgliedstaaten weiter zu stärken. Sie legt verbindliche Recyclingziele, Anforderungen an das Verpackungsdesign sowie Berichtspflichten für Verpackungsmaterialien fest.
  • Eine zentrale Rolle spielt dabei die erweiterte Herstellerverantwortung, international bekannt als Extended Producer Responsibility (EPR): Hersteller tragen Verantwortung für die Sammlung, das Recycling und die Verwertung der Verpackungen, die sie in Verkehr bringen.
  • PROs, also Producer Responsibility Organisations, sind die Organisationen, die EPR-Systeme in der Praxis umsetzen. Je nach nationalem Modell organisieren und finanzieren PROs typischerweise Sammlung und Recycling, steuern Verträge und Materialströme und übernehmen Daten- sowie Berichtspflichten.

Organisationen wie EPRO unterstützen diesen Prozess, indem sie Best Practices koordinieren, technische Orientierung bieten und ihre Mitglieder dabei unterstützen, EPR-bezogene Anforderungen zu interpretieren und umzusetzen – damit regulatorische Ziele in konkrete Kreislaufwirtschaftspraxis vor Ort übersetzt werden.

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„Regulierung gibt die Richtung vor – aber die eigentliche Arbeit beginnt bei der Umsetzung.“

Die regulatorischen Rahmenbedingungen in Europa haben sich in den vergangenen Jahren erheblich weiterentwickelt. Für PROs und Recyclingorganisationen bedeutet das: Die Arbeit verlagert sich zunehmend von der Frage „Wie sollten die Regeln aussehen?“ hin zu „Wie bringen wir sie in der Praxis zum Funktionieren?“.

Welche PPWR-bezogenen Themen sind für EPRO derzeit besonders relevant?

  • Mike Jefferson: „Derzeit konzentriert sich ein großer Teil der Aktivitäten auf sekundäre Gesetzgebung und Umsetzung. Bis Ende dieses Jahres gibt es Fristen für sekundäre Rechtsakte zu Themen wie der Methodik für Rezyklatanteile und Nachhaltigkeitskriterien für Recyclingtechnologien. Außerdem wird an Äquivalenzregeln für Rezyklatanteile aus Drittstaaten gearbeitet – häufig als sogenannte ‚Mirror Clause‘ bezeichnet.
    Parallel dazu gibt es weitere Themen, die für unsere Mitglieder relevant sind, aber außerhalb der PPWR liegen – etwa die End-of-Waste-Kriterien für Kunststoffe. Darüber hinaus laufen Diskussionen zu Fragen wie der Methodik durchschnittlicher Verlustraten, die für die Berechnung von Recyclingquoten verwendet wird.“

 

„In den Arbeitsgruppen machen wir Komplexität handhabbar.“

Je detaillierter Gesetzgebung wird, desto stärker können Auslegung und Umsetzung von Land zu Land variieren. In den Arbeitsgruppen von EPRO vergleichen die Mitglieder unterschiedliche Ansätze, teilen operative Erfahrungen und arbeiten an einem gemeinsamen Verständnis.

Woran arbeiten Ihre Arbeitsgruppen derzeit – insbesondere die Technical Working Group mit Blick auf die PPWR? Können Sie Beispiele nennen?

  • Mike Jefferson: „Die Technical Working Group befasst sich mit technischen Themen, wobei diese heute häufig eng mit regulatorischen Fragen verknüpft sind. Gleichzeitig gibt es eine starke Verzahnung zwischen der technischen und der regulatorischen Arbeitsgruppe.
    Ein aktuelles Beispiel ist die Methodik zur Berechnung von Recyclingquoten im Zusammenhang mit chemischem Recycling. Die Länder vertreten hier unterschiedliche Auffassungen, wie Recyclingquoten berechnet werden sollten. Einige warten noch auf weitere Leitlinien der Kommission. Aus Sicht der PROs ist es jedoch entscheidend zu verstehen, wie Kunststoffe, die diesen Technologien zugeführt werden, auf Recyclingziele angerechnet werden können. In einigen Ländern kann Material, das dem chemischen Recycling zugeführt wird, überhaupt nicht angerechnet werden; in anderen Ländern zählt es, aber die nationalen Methodiken können unterschiedlich oder noch unklar sein.
    Ein weiterer Bereich, in dem wir gerade mit der Arbeit beginnen, ist das Recycling flexibler Haushaltsverpackungen. Mit steigenden Recyclingzielen werden flexible Verpackungen immer wichtiger – gleichzeitig sind sie komplex zu recyceln, und der Entwicklungsstand unterscheidet sich in Europa erheblich. Einige Länder sammeln und recyceln flexible Verpackungen bereits seit Jahrzehnten, andere stehen erst am Anfang. Deshalb bereiten wir eine breiter angelegte Erhebung in Europa vor, um die Situation besser zu erfassen.“

 

„Sammeln allein reicht nicht, wenn die Recyclingkapazitäten fehlen.“

Markt- und Infrastrukturrealitäten sind derzeit ein zentrales Thema entlang der gesamten Kunststoffrecyclingkette – insbesondere dann, wenn politische Zielvorgaben schnell steigen.

Wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen?

  • Mike Jefferson: „Eine große Herausforderung ist die Marktsituation für Kunststoffrecycler. Die Rahmenbedingungen sind schwierig, und wir haben bereits einen Verlust an Recyclingkapazitäten gesehen. Es ergibt keinen Sinn, Material zu sammeln und zu sortieren, wenn die Infrastruktur für das Recycling nicht nachhaltig betrieben werden kann. EPRO hat daher gemeinsam mit anderen Verbänden der Wertschöpfungskette aktiv Beiträge an die Europäische Kommission geliefert, wie die Marktsituation verbessert werden kann. Innerhalb von EPRO diskutieren wir außerdem, was PROs selbst tun können – etwa die Nutzung von Rezyklaten unterstützen oder Instrumente wie Ökomodulation einsetzen.
    Eine weitere Herausforderung besteht darin, schrittweise Verbesserungen über die Zeit zu erreichen. Die Ziele der PPWR sind wichtige politische Treiber, doch sie sehen häufig deutliche Sprünge im Fünfjahresrhythmus vor. Eine zentrale Frage ist daher, wie sich eine kontinuierlichere Entwicklung von Jahr zu Jahr sicherstellen lässt – sowohl bei Sortier- als auch bei Recyclingkapazitäten –, damit Investitionen und Systementwicklung stetig wachsen können. Diskussionen über Zwischenziele können dabei eine Rolle spielen.“

 

„Bessere Daten sind unverzichtbar – und der Reporting-Aufwand steigt.“

Daten, Transparenz und Vergleichbarkeit gewinnen zunehmend an Bedeutung – sowohl für die Messung von Fortschritten als auch für die Umsetzung von Compliance-Anforderungen.

Welche Trends sehen Sie bei Datenerhebung und Datenqualität – und was bedeutet das für die Mitglieder?

  • Mike Jefferson: „Datenverfügbarkeit und Datentiefe unterscheiden sich stark von Land zu Land. Auf nationaler Ebene ist es häufig schwierig, granulare Daten zu erhalten – beispielsweise nach Polymerart und Verpackungsformat. In einigen Ländern ist die Datenlage besser, insbesondere dort, wo PROs Eigentümer des Materials sind und es kontrollieren. In anderen Ländern ist die Granularität gering.
    Die PPWR wird hier helfen, weil sie detailliertere Berichtskategorien einführt. Flexible Verpackungen werden beispielsweise zu einer eigenen Berichtskategorie, während heute viele Länder lediglich über ‚Kunststoff‘ insgesamt berichten. Dennoch kann es auch mit der PPWR Einschränkungen geben – etwa wenn Kategorien nicht immer zwischen gewerblichen und industriellen Strömen einerseits und Haushaltsströmen andererseits unterscheiden. Bessere Daten bleiben entscheidend, um Investitionsentscheidungen fundiert treffen zu können.
    Aus Sicht der PROs wird das Reporting komplexer. Neben den Hauptkategorien müssen PROs möglicherweise auch nationale Berichtspflichten, Daten im Zusammenhang mit der Single-Use Plastics Directive sowie detailliertere Berichte im Rahmen von Ökomodulationssystemen abdecken.“

Wie wirken sich Konformitätserklärungen auf den Sektor aus?

  • Mike Jefferson: „Konformitätserklärungen sind ein wichtiger Aspekt der PPWR. Die Industrie beginnt, sich damit auseinanderzusetzen, was das bedeutet, und entsprechende Maßnahmen in den Lieferketten umzusetzen – für viele fühlt sich das aber noch nach einer frühen Phase an. Unternehmen suchen weiterhin Orientierung und Unterstützung dabei, was sie tun müssen, um compliant zu sein, und welche Verantwortlichkeiten sie haben. PROs spielen hier selbstverständlich eine wichtige Rolle.
    Das hängt auch mit Definitionen zusammen. Es gab Leitlinien der Kommission, aber weiterhin bestehen Unsicherheiten – beispielsweise bei den Definitionen von Produzenten und Herstellern. Und das wirkt sich darauf aus, wer welche Verantwortung trägt und wer was melden muss.“

 

Zusammenarbeit im Netzwerk: „Wissen entsteht im Austausch – nicht in Isolation.“

Angesichts steigender Komplexität ist Zusammenarbeit aus Sicht von Mike Jefferson kein „nice to have“, sondern eine operative Notwendigkeit.

Wie wichtig ist Zusammenarbeit innerhalb von EPRO und generell heute?

  • Mike Jefferson: „Der Bedarf an Zusammenarbeit und Vernetzung nimmt zu – nicht ab. Die Komplexität steigt, sowohl bei den politischen Zielen als auch in der Gesetzgebung selbst. Neue Gesetzgebung muss interpretiert und anschließend umgesetzt werden. Wenn Mitglieder zusammenkommen – persönlich oder virtuell – und ihre Auslegungen und Erfahrungen austauschen, hilft ihnen das, besser zu verstehen, was passiert und wie Umsetzung effizient und wirksam gestaltet werden kann.
    Gleichzeitig funktioniert es auch in die andere Richtung: Indem EPRO viele Länder zusammenbringt, können wir Erfahrungen aus der Praxis bündeln, gemeinsame Themen und Herausforderungen identifizieren und diese an die Gesetzgeber zurückspiegeln. Wir versuchen dabei, so weit wie möglich mit Lösungen auf die Gesetzgeber zuzugehen – nicht nur mit Problemen.“

 

RIGK & EPRO: „Aktive Beteiligung macht den Unterschied.“

Das 20-jährige Engagement von RIGK in EPRO ist eng mit der praktischen Erfahrung verbunden, die RIGK einbringt – insbesondere im Bereich Agrarkunststoffe, wo sich die Ansätze in Europa stark unterscheiden.

Wie bewerten Sie die Rolle von RIGK innerhalb von EPRO?

  • Mike Jefferson: „Die Rolle von RIGK innerhalb von EPRO ist sehr wichtig – 20 Jahre Engagement sagen viel aus. RIGK bringt umfangreiche Erfahrung mit, und die Menschen in der Organisation verfügen über tiefes Branchenwissen. RIGK ist im Bereich gewerblicher und industrieller Verpackungen sowie bei Agrarkunststoffen aktiv. Mit Jan Bauer als Vorsitzendem der Agricultural Working Group spielt RIGK eine Schlüsselrolle.
    Agrarkunststoffe sind ein Bereich, in dem internationaler Austausch besonders wertvoll ist. Zwar gibt es europaweit noch keine verpflichtenden EPR-Anforderungen, doch die Diskussion läuft. Mehrere Länder – darunter Deutschland, Frankreich und Irland – verfügen über eine lange Erfahrung bei der Sammlung von Agrarkunststoffen und damit über fundiertes Wissen zu operativem Aufbau, Finanzierungsmodellen, Governance und Einbindung der Wertschöpfungskette.
    Das wird zunehmend wichtig, wenn Sammelsysteme für Agrarkunststoffe in Europa weiter ausgebaut werden – insbesondere in Ländern, in denen solche Systeme erst jetzt etabliert werden, zum Beispiel in Teilen Skandinaviens.“

  • Die Arbeitsgruppen von EPRO bieten den Mitgliedern eine Plattform, um Ideen vorzustellen, Erfahrungen auszutauschen sowie Fachwissen und Best Practices zu teilen. Sie treffen sich regelmäßig online; ergänzend gibt es Möglichkeiten zum persönlichen Austausch.
  • Die Agricultural Working Group von EPRO konzentriert sich auf Kunststoffe, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden – ein Bereich, in dem weltweit jährlich rund 12,5 Millionen Tonnen Kunststoff verwendet werden. Dazu zählen unter anderem Mulchfolien, Silofolien, Big Bags, Pflanzenschutzmittelkanister, Futtermittelsäcke und weitere Anwendungen.
  • Zu den zentralen Themen gehören EPR-Systeme – sowohl freiwillige als auch verpflichtende Modelle –, Recyclingkapazitäten, die Qualität zurückgewonnener Materialien sowie die Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette: von Herstellern und Landwirten über Entsorgungsunternehmen bis hin zu Recyclern.

Einblicke aus Wiesbaden: Internationaler Austausch in der Praxis

Veranstaltungen wie das International Recycling Forum von RIGK, das in Zusammenarbeit mit EPRO organisiert wird, ergänzen die kontinuierliche Arbeit in den Arbeitsgruppen, indem sie die gesamte Wertschöpfungskette in die Diskussion einbinden.

Welche Bedeutung haben solche Veranstaltungen aus Ihrer Sicht?

  • Mike Jefferson: „Solche Veranstaltungen schaffen einen Raum, um aktuelle Herausforderungen zu diskutieren und Best Practices auszutauschen – und zwar mit einem breiteren Kreis an Stakeholdern, als ihn ein einzelnes Netzwerk normalerweise abbildet. Zu den Mitgliedern von EPRO zählen PROs, Organisationen zur Kunststoffsammlung und nationale Verbände der Kunststoff-Kreislaufwirtschaft. Veranstaltungen wie das International Recycling Forum bringen darüber hinaus verschiedene Teile der Wertschöpfungskette zusammen, etwa Verpackungshersteller, die Entsorgungswirtschaft und Recycler.
    Das International Recycling Forum ist groß, aber nicht so groß, dass Diskussionen schwierig werden. Aus meiner Sicht war die letzte Veranstaltung sehr interaktiv – zwischen Referenten, Panels und Publikum. Genau diese Interaktion macht solche Veranstaltungen lebendig und wertvoll für die Teilnehmenden.“

Kurz erklärt: International Recycling Forum

Das International Recycling Forum ist eine gemeinsame Plattform von RIGK und EPRO, die Expertinnen und Experten aus Industrie, Politik und Recyclingpraxis zusammenbringt.

Im Fokus stehen aktuelle Herausforderungen, regulatorische Entwicklungen und praxisnahe Lösungen für die Kreislaufführung von Kunststoffen.

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„Wir treten in eine Phase echter Transformation ein.“

Mit Blick nach vorn sieht Mike Jefferson eine klare politische Richtung – zugleich aber auch die Notwendigkeit, die Umsetzung richtig zu gestalten und die europäische Recyclinginfrastruktur widerstandsfähig zu halten.

Welche Entwicklungen werden die Arbeit von EPRO in den kommenden Jahren am stärksten prägen – und wo sehen Sie Chancen und Risiken?

  • Mike Jefferson: „Auch wenn in der sekundären Gesetzgebung noch viele Details auszuarbeiten sind, sind die übergeordneten politischen Ziele inzwischen sehr klar und ambitioniert. Sie umfassen viele Ebenen der Abfallhierarchie – von Vermeidung und Wiederverwendung bis hin zum Recycling. Wir treten in eine Phase echter Transformation des Sektors ein, und das ist spannend.
    In diesem Kontext ist EPRO relevanter denn je: Die zunehmende Komplexität schafft einen echten Bedarf an einem Verband, in dem Mitglieder Wissen, Best Practices und technische Erkenntnisse austauschen können. Und auch wenn sich ein großer Teil der Diskussion um Verpackungen dreht, ist die Kunststoffherausforderung insgesamt enorm – deshalb ist eine Organisation mit Fokus auf Kunststoffe besonders relevant.
    Eine zentrale Frage wird sein, wie wir in Europa einen robusten und nachhaltigen Kunststoffrecyclingsektor aufbauen – durch EU-Gesetzgebung, nationale Maßnahmen und durch Beiträge, die PROs leisten können. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass PROs und EPR-Systeme strategisch handeln müssen, denn diese Ziele sind miteinander verbunden und erfordern langfristige Planung. Aus meiner Sicht muss EPR über seine finanzielle Rolle hinaus maximiert und als Koordinationsmechanismus entlang der Wertschöpfungskette genutzt werden – vom Design über Sammlung, Sortierung und Recycling bis hin zum Einsatz von Recyclingkunststoffen, der notwendig ist, um die Ziele für Rezyklatanteile zu erreichen.
    Das Risiko besteht darin, diese Systemelemente nicht richtig auszurichten. Wenn nationale Systeme oder Gesetze nicht passend aufgesetzt sind und Ziele verfehlt werden, besteht die Gefahr von ‚Quick Fixes‘ – also Lösungen, die zwar kurzfristig eingeführt werden, langfristig aber nicht der beste Ansatz sind. Dazu können auch Alternativen gehören, die sich von EPR-basierten Modellen entfernen.“

 

Persönliche Perspektive: „Ein Sektor, in dem man nie aufhört zu lernen.“

Nach einem Gespräch, das von PPWR-Umsetzung und Datenkomplexität bis zur künftigen Rolle von PROs reichte, haben wir zum Abschluss noch eine persönliche Frage gestellt: Was motiviert Mike Jefferson nach mehr als drei Jahrzehnten in der Branche – und was würde er sich für die Zukunft der Kreislaufwirtschaft am meisten wünschen?

Was motiviert Sie persönlich – und wenn Sie einen Wunsch für die Zukunft der Kreislaufwirtschaft frei hätten, welcher wäre das?

  • Mike Jefferson: „Ich bin seit 34 Jahren in diesem Sektor tätig, und was mich weiterhin motiviert, ist, dass er sich kontinuierlich weiterentwickelt und wächst. Gesetzgebung war ein wichtiger Wachstumstreiber, einschließlich EPR-Gesetzgebung, aber auch technologisch hat sich sehr viel getan. Es ist ein Sektor, in dem man immer weiterlernt, und in dem sich die eigene Rolle und die eigenen Erfahrungen ständig weiterentwickeln.
    Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann wäre es, dass die Rolle und das Potenzial von EPR vollständig ausgeschöpft werden – also die Fähigkeit von PROs, auf nationaler Ebene zu koordinieren und strategisch zu handeln, bestmöglich zu nutzen, um politische Ziele zu erreichen und das System insgesamt so optimal wie möglich funktionieren zu lassen.“

Noch Fragen?

Für weitere Informationen zum Interview mit Mike Jefferson, zur 20-jährigen Mitgliedschaft von RIGK in EPRO sowie zu aktuellen Themen rund um PPWR, EPR, Kunststoffrecycling und europäische Kreislaufwirtschaft steht Ihnen Mike Jefferson gerne zur Verfügung.